21.05.2015: Vogelbeobachtung

 

 

Bei unserem Treffen im Mai standen die Vögel im Fokus. Begleitet hat uns wieder Günther Hagemeister von der Ortsgruppe Heppenheim, ein echter Vogelexperte.

Er hatte auch gleich zur Begrüßung etwas völlig Ausgefallenes dabei: das Nest einer Beutelmeise! Da durfte jeder Mal seinen Finger reinstecken. Nicht nur ich war überrascht, wie kuschelig weich das Nest von innen war!

Beutelmeisen bauen ihre Nester aus Samenwolle von Weiden, Pappeln oder Rohrkolben. Günther zeigt uns, wie das Nest aufgehängt war. Meist hängt es an der Spitze eines Weidenzweigs. Den "Aufhängzweig" und zwei weitere mit eingeflochtene Zweigstückchen kann man an diesem Nest noch sehen.

Beutelmeisen leben an Flüssen und Seen, an denen es Weiden und Pappeln und Schilf gibt.

Und noch ein Nest hat er uns mitgebracht: das Nest einer Kohlmeise. Ein unbefruchtetes Ei ist auch noch drin.

Die Kohlmeise gehört zu den Höhlenbrütern und legt bis zu zwölf weiße, rotbraun gesprenkelte Eier. Dieses Nest stammt aus einem von Günthers Nistkästen.

Dass in dem Nest auch Vögel großgeworden sind, erkennt man daran, dass kleine Schuppen herunterrieseln, wenn man gegen das Nest klopft. Die kleinen Vögelchen haben diese Haut- und Federschuppen verloren. 

Bevor wir uns daran machten, die Vögel auf dem Gelände zu beobachten, haben wir abgefragt, welche Vögel ihr schon kennt. Ich muss sagen, ich war überrascht, wie viele das waren! Auf den Tafeln war kaum ein Vogel, den nicht wenigstens einer von euch kannte!

Hier zeigt Günther gerade auf den Gimpel - ihr wisst schon: das ist der Vogel, in den der Räuber Hotzenplotz vom Zauberer Zwackelmann verwandelt wurde. Früher gab es den sehr häufig, da kannte ihn wirklich jeder. Heutzutage ist er leider, wie viele andere Vögel auch, sehr selten geworden.

So, jetzt geht es aber los: 

Jeder hat ein Fernglas dabei, und wir haben auch mal kurz geübt, wie man damit umgeht. Erstmal muss man es sich so hinbiegen, dass man beim Durchgucken mit beiden Augen das gleiche Bild sieht, sprich wenn man einen runden Kreis sieht. Wenn das nicht passt, kann man die Gläser dichter zusammendrücken oder ein bisschen auseinander ziehen.

Und dann ist da oben zwischen den Gläsern ein Rädchen. Mit dem stellt man das Bild scharf. Unser Auge stellt sich von alleine auf verschiedene Entfernungen ein, aber so ein Fernglas weiß natürlich nicht, in welcher Entfernung der Vogel sitzt, den wir beobachten wollen. 

Der erste Vogel, den wir dann auf dem Wasser der Erlache sehen, ist ein Haubentaucher. Da müssen wir aber schnell sein, denn er taucht immer nur kurz auf, dann ist er wieder unter der Wasseroberfläche verschwunden.

Wir wandern den Weg entlang, und Günther stellt sein Beobachtungsfernrohr, ein Spektiv, auf. Damit können wir die Wanderfalken beobachten, die in dem Nistkasten am Strommasten brüten. Drei Küken sehen wir, die aus dem Kasten lugen. Sie machen schon ein paar Flugübungen und schlagen mit den Flügeln - bald werden sie flügge sein.

Zwischendurch darf auch ein bisschen geklettert werden
Zwischendurch darf auch ein bisschen geklettert werden

Hier hat ein Kaninchen geknabbert.

Wer ein Kaninchen zuhause hat, weiß Bescheid: die Zähne von Nagetieren wachsen ständig nach. Sonst wären sie irgendwann weggeraspelt und das Tier müsste verhungern. Seinen Nagerhaustieren muss man deshalb auch immer etwas Hartes zum Nagen anbieten.

Und da ist auch der Bau, der dem Kaninchen gehört. 

Da hinten piept es verdächtig!

Und tatsächlich: wenn man genau hinschaut, kann man ein Reihernest erkennen, in dem ein Reiher seine Küken ausbrütet.

Reiher suchen sich gerne kleine Inseln zum Brüten aus. Da haben es Waschbären und Füchse schwerer, falls sie auf die Idee kommen sollten, das Nest ausräubern zu wollen.

Was hat Günther denn da schon wieder entdeckt?!

Im Volksmund wird es Kuckucksspeichel genannt, weil es aussieht, als hätte der Kuckuck, der gerne, aber eher zufällig, in der Nähe solcher Schaumplocken zu beobachten ist, draufgespuckt.

In Wahrheit sitzen aber die Larven der Schaumzikade in diesen Nestern. Die Schaumnester schützen die Zikaden- larven vor Fressfeinden (wer mag schon etwas fressen, das wie Spucke aussieht)

und sorgen gleichzeitig dafür, dass eine optimale Feuchtigkeit und Temperatur für die Larven herrscht.

Die Larven produzieren diesen Schaum selber, indem sie Luft durch die Atemwege in eine eiweißhaltige Flüssigkeit in ihrem Darm pumpen, und sie dann "auspupsen".

 

Und so sehen die kleinen Zikadenbabys aus, wenn man sie aus dem Schaum herausholt.

Lena hat im Gebüsch die Schale von einem Gänseei gefunden.

Jetzt würden wir aber auch gerne noch wissen, wie es in den Nistkästen aussieht.

Hier ist der Starenkasten. Die meisten Vögel tragen den Kot ihrer Babys weg und lassen in irgendwo fallen, damit Raubtiere nicht auf die Idee kommen, dass es in dem Kasten etwas zu holen gibt. Nicht so die Stare. Die kleckern einfach den ganzen Kasten voll.

So sieht er von innen aus. Pfui! Alles verklebt und verdreckt. Da kommt sicher kein Vogel auf die Idee, noch mal drin zu brüten. Der muss erst sauber gemacht werden!

Ganz anders dagegen das Nest vom Feldsperling. Das ist sauber und kuschelig. Die Kleinen sind aber schon ausgeflogen.

Vielleicht machen sich die Sperlinge bald an eine zweite Brut. 

Manche Vögel brüten mehr als einmal im Jahr. Das sind vor allem die kleinen Vögel, für die es den ganzen Sommer lang genug Nahrung gibt. Bei kleinen Vögeln sind die Verluste aber auch recht hoch. Nicht selten wird eine komplette Brut gefressen. Da ist es dann sinnvoll, wenn es mehrere Bruten im Jahr gibt. Sonst hat die Art langfristig keine Überlebenschancen.

Die Zeit ging sehr schnell um und es hat wieder mächtig Spaß gemacht. Ich freue mich auf's nächste Mal!