Die Asiatische Hornisse ist eine in Südostasien heimische Hornissenart.
Die in Europa auftretende Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) ist eine Unterart und stammt aus China. Diese Art wurde 2004 erstmals in Südwestfrankreich nachgewiesen und ist vermutlich per Schiff zusammen mit Pflanzen aus China eingeführt worden. Über Frankreich und Belgien ist diese Art nach Deutschland eingewandert und wurde hier 2014 erstmals in der Pfalz und in Baden-Württemberg nachgewiesen. Der erste Nestfund in Lorsch war 2019.
Seit dem 03.08.2016 ist diese Hornisse in der EU-Liste für invasive gebietsfremde Arten eingetragen (EU-Verordnung 1143/2014) https://bfn.bsz-bw.de/frontdoor/deliver/index/docId/1133/file/Schrift654.pdf
Die Ausbreitung begann in Deutschland von Süden her, inzwischen treten aber auch in nördlichen Bundesländern Funde auf.
Aussehen:
Die Königin ist ca. 3 cm lang, die Arbeiterinnen 1,7 cm – 2,4 cm, die Männchen (Drohnen) 2,1 cm - 2,8 cm. Die Hornissen haben eine schwarze Grundfärbung. Der Kopf ist von oben gesehen schwarz oder dunkelbraun, von vorne ist er orange. Der Thorax ist schwarz, daher der Name nigrithorax. Die ersten drei Tergite tragen eine schmale, das 4. Tergit eine breite gelborangefarbene Binde. Die Fußglieder (Tarsen) sind gelb, man sagt, die Hornisse trägt gelbe Socken.


Lebensweise:
Die Nestgründung mit wenigen Waben (Embryonalnest) erfolgt ab Mitte März durch die Königin. Nach der Eiablage dauert es etwa 7 Wochen, bis die ersten Arbeiterinnen schlüpfen (13 Tage Ei, 16 Tage Larve, 19 Tage Puppe). Dieses Nest befindet sich wenige Meter vom Boden meist in Büschen oder unter Dachvorständen.

Sobald die Arbeiterinnen geschlüpft sind, wird das Embryonalnest zum Primärnest ausgebaut. Die Königin legt jetzt etwa 40 Eier/Tag. Die Einflugöffnung ist am Nestboden.


Im Juli bis August erfolgt aus Platzgründen meist der Umzug in ein Sekundärnest. Dies befindet sich in der Regel in hohen Baumkronen (> 10 m bis 30 m Höhe) in weniger als 100 m Entfernung vom Primärnest. Ab diesem Zeitpunkt wächst das Volk rasant. Das Sekundärnest ist sehr groß und kann einen Durchmesser von 80 cm und eine Höhe von 100 cm haben. Dieses Nest kann bis zu 12 waagrechte Wabenteller mit äußerer Hülle haben und besteht aus einer kartonartigen Masse. Die Einflugöffnung ist im oberen Bereich.
In einem solchen Nest leben 1000 – 2000 Arbeiterinnen gleichzeitig. Insgesamt hat ein Staat der Asiatischen Hornisse bis zu 5000 Tiere pro Jahr. Pro Quadratkilometer können 10-15 Nester auftreten.
In einem Nest der geschützten Europäischen Hornisse (Vespa crabro) leben nur etwa 1/10 der Tiere und es wird nur ca. ein Nest pro Quadratkilometer gebaut.
Somit können 100 – 150 mal so viele Asiatische Hornissen auf einer Fläche leben wie von der Europäischen Hornisse. Dies führt zu enormen Belastungen für das
Ökosystem.

Zum Zeitpunkt der größten Volksstärke werden bei der Asiatischen Hornisse ab Anfang September Geschlechtstiere herangezogen.
Dies können bis zu 300 Jungköniginnen und ca. die dreifache Menge an Drohnen sein, da sich jede Jung-königin wegen der genetischen Vielfalt mit mehreren Drohnen paart, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Nests.
Hieraus gehen im nächsten Jahr 7 – 10 Nestgründungen hervor.
Erst Ende November/Anfang Dezember sterben die Altkönigin, die Arbeiterinnen und die Drohnen und das Volk geht zugrunde. Lediglich die Jungköniginnen überwintern an geschützten Orten.
Das Nest des Vorjahres wird nicht wieder benutzt.
Nahrung:
Die adulten Tiere ernähren sich von Nektar, Obst (z.B. Trauben) und Baumsäften.
Für die Larven wird eiweißreiche Kost benötigt. Da nach Gründung des Sekundärnests im Juli/August das Volk rasant wächst, werden zu diesem Zeitpunkt Insekten, insbesondere Honigbienen, sehr stark bejagt, da jetzt die Arbeiterinnen große Mengen an Protein zur Brutpflege benötigen. Hierbei machen Honigbienen 1/3 bis 2/3 der tierischen Nahrung aus.
Ein Volk benötigt im Laufe des Jahres ca. 11 kg an Biomasse aus Insekten!
Die Arbeiterin einer Honigbiene wiegt ca. 0,1 g. Geht man davon aus, dass 50% des Fangs Honigbienen sind, also 5,5 kg, heißt das, dass etwa 55000 Honigbienen getötet werden. Dies entspricht etwa der Volksstärke im Hochsommer.
Aber auch andere Fluginsekten, die z.B. Nahrung für Vögel, Amphibien und Wespen sind, werden stark dezimiert und dies vor dem Hintergrund, dass der Insektenrückgang in den letzten 30 Jahren ca. 75 % betrug. Auch der Verbrauch von Nektar aus Blüten ist zu berücksichtigen. Durch die Nahrung der adulten Tiere können weiterhin große Schäden an Obst entstehen, z.B. an den Trauben in Wingerten.
Bekämpfung:
Bis Ende 2024 wurde in Deutschland die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse bekämpft. Es bestand eine Meldepflicht, z.B. in Hessen an das hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG).
Die Umweltministerien der Bundesländer waren dazu verpflichtet, gemeldete Nester von den örtlichen Naturschutzbehörden entfernen zu lassen.
Die Kosten für die Beseitigung der Nester wurde von den für Naturschutz zuständigen Behörden bezahlt.
Da die starke Ausbreitung nicht zu stoppen war, hat Deutschland am 24. März 2025 der EU die Umstufung der Asiatischen Hornisse auf Artikel 19 der EU-Verordnung 1143/2014 gemeldet. Nach Artikel 19 entfällt damit die Bekämpfungs- und Ausrottungspflicht, wenn eine Art bereits weit verbreitet ist. Deutschland geht damit von der Bekämpfungsphase in die Managementphase über.
Derzeit wird die Beseitigung von Nestern nur noch bezahlt, wenn von den Nestern eine öffentliche Gefahr ausgeht. Dies ist z.B. bei Schulen oder Kindergärten der Fall. Weiterhin werden von den Naturschutzverwaltungen noch Maßnahmen zur Beseitigung der Nester umgesetzt, wenn deutlich erkennbare negative Auswirkungen auf die Biodiversität auftreten (z.B. in Naturschutzgebieten).
Die Kosten für die Entfernung eines Nests auf privatem Gelände ist durch den Eigentümer zu tragen (z.B. 100 – 150 € für ein Primärnest in Bodennähe).
Beseitigung von Nestern:
Die Entfernung von Embryonalnestern kann bis Mitte Mai bei entsprechender Vorsicht durch den Laien vorgenommen werden, da zu diesem
Zeitpunkt nur die Königin im Nest ist.
Hierbei wird ein Glas über das Nest gestülpt und mit einem Deckel verschlossen. Das Abtöten kann in der Kühltruhe (3 Tage) oder thermisch bei Temperaturen wesentlich höher als 46°C
(Eiweißgerinnung) vorgenommen werden. Es wird empfohlen, die Embryonalnester bis Mitte Mai, also vor dem Schlüpfen der ersten Arbeiterinnen, hängen zu lassen. In dieser Zeit kämpfen mehrere
Jungköniginnen um das Nest und bringen sich dabei gegenseitig um. Die Embryonalnester sind allerdings sehr schwer zu finden.

Das Auffinden der Jungköniginnen kann auch mit einem Lockstoff erfolgen.
Hierzu füllt man in ein Glas mit Deckel als Lockstoff eine Mischung aus 1/3 Bier, 1/3 süßem Wein und 1/3 Himbeersirup oder ähnlichem ein. In den Deckel bohrt man ein ca. 10mm großes Loch und
steckt durch dieses einen Docht, z.B. aus einem Leinentuch bestehend, ein. Das Glas wird sonnig aufgestellt.
Achtung! Dieser Lockstoff wird auch von anderen Insekten angeflogen. Daher ist darauf zu achten, dass nur die Asiatische Hornisse gefangen oder erschlagen wird.
Als Lockstoff können auch mit Honig gefüllte Waben von Honigbienen genutzt werden.
Das Entfernen von Primärnestern (mit Arbeiterinnen) und Sekundärnestern ist ausschließlich durch geschulte Fachleute zulässig, da die Hornissen in Nestnähe äußerst aggressiv sind und in großer Anzahl angreifen.
Ihre Stacheln sind wesentlich länger (> 4 mm) als bei heimischen Wespen und Bienen. Es ist daher spezielle Schutzkleidung erforderlich, die über die Anforderungen der Imker hinausgeht!
Das Gift beim Stich ist ähnlich dem von Bienen, Wespen oder der Europäischen Hornisse.
Ziel ist es, möglichst die Primärnester in Bodennähe bis Juli zu finden, da diese wesentlich einfacher und kostengünstiger entfernt werden können.
Untenstehend werden daher die zum Einsatz kommenden Verfahren nur kurz beschrieben.
Es kommen verschiedene Techniken zum Einsatz. Dies sind:
- Verschließen des Nestverschlusses mit Rasierschaum am Abend, abnehmen des Nestes und Transport in einem geschlossenen Behälter und anschießendes Einfrieren in der Kühltruhe für 3 Tage.
- Einsprühen von heißem Wasserdampf in die Nester (Die Hornissen sterben bei 45,9°C)
- Absaugen der Hornissen
- Einsatz von Schäumen mit Zusatz von Insektiziden
- Zum Entfernen von hoch hängenden Sekundärnestern kommen Hubsteiger oder Teleskoplanzen, die eine Länge bis zu 30 m haben können, zum Einsatz. Oft sind diese an der Spitze mit einer Kamera ausgestattet, um im dichten Laubwerk des Baumes das Nest zu finden. Mit der Lanze sticht man seitlich in das Nest ein. Die Lanzen werden mit verschiedenen Techniken kombiniert:
- So kann heißer Wasserdampf eingesprüht werden, welcher die Hornissen und die Brut sehr schnell abtötet.
- Aktivkohle, diese verstopft die Atemwege (Tracheen) der Hornissen.
- Auch kann ein kalkhaltiges Pulver eingesprüht werden, das zu Verätzungen an den Hornissen führt.
- Der Einsatz von Kieselgur (ca. 90% Siliciumdioxyd) findet Anwendung, jedoch ist hier oft eine teure Zweitbehandlung erforderlich. Hierbei wird ein Sedimentgestein, das aus den Schalen fossiler Kieselalgen besteht, zu einem sehr feinen Pulver vermahlen. Durch die poröse Struktur wirkt es nach einigen Tagen austrocknend auf die Hornissen. Vorteil: Kieselgur ist ungiftig.
- Insektizidhaltige Pulver
Meldung von Nestfunden:
Auch wenn die Beseitigung der Hornissennester häufig nicht mehr von den
Behörden bezahlt wird, ist es weiterhin das Ziel, die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse zumindest zu
verzögern.
Es sollten daher weiterhin alle Nestfunde zusammen mit einem Bild an die Umweltministerien der Länder gemeldet werden.
Hier wird die Bevölkerung zur aktiven Mithilfe aufgerufen!
- In Hessen an das Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (hlnug): https://hessen.meldeportal.cloud/observation/efe30742/asiatische-hornisse
- In Baden Württemberg an das Landesamt für Umwelt (LUBW):
https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/asiatische-hornisse-melden
- In Rheinland-Pfalz an die Stiftung für Natur und Umwelt:
https://www.artenfinder.rlp.de/MeldeaufrufAsiatischeHornisse
Entfernung von Nestern:
Im Kreis Bergstraße entfernt Nicole König aus Bürstadt Nester der Asiatische Hornisse.
Kontaktdaten:
Mobil: 0173 6014023
E-Mail: [email protected]
Weitere Bundesländer - siehe Internet
Literatur:
- Die invasiven gebietsfremden Arten der Unionsliste der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 –
Dritte Fortschreibung 2022 –Stefan Nehring, Sandra Skowronek
https://bfn.bsz-bw.de/frontdoor/deliver/index/docId/1133/file/Schrift654.pdf 22.03.2026
- Asiatische Hornisse: https://de.wikipedia.org/wiki/Asiatische_Hornisse 22.03.2026
- Europäische Hornisse: https://de.wikipedia.org/wiki/Hornisse 22.03.2026
- Lebenszyklus Asiatische Hornisse:
https://www.bienengarten.eu/2025/11/14/der-jahreszyklus-der-asiatischen-hornisse/ 22.03.2026
- LUMA König – Präsentation über die Asiatische Hornisse von Nicole König aus Bürstadt, Stand 2026
- Kieselgur: https://de.wikipedia.org/wiki/Kieselgur 23.03.2025
- Infoseite zur Asiatischen Hornisse: https://www.velutina.de/ 23.03.2026
- Kostenlose Mediathek (Creative Commons Lizenz - CC Licence) zur Asiatischen Hornisse von Thomas
Beissel: https://drive.google.com/drive/folders/15_8Lz8agl2io1iQQVybv21xnQ80jK8ZO 23.03.2026
Verfasser: klahen, 04/2026
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