Achtung: Jungvögel unterwegs!

Der Frühsommer ist die Zeit, in der die ersten Bruten unserer Singvögel das Nest verlassen. Oft wirken sie noch unbeholfen, meist werden sie aber von ihren leiblichen Eltern weiter versorgt und man muss sich keine Sorgen um sie machen.

Immer mal wieder kommt es aber auch vor, dass Jungvögel zu früh das Nest verlassen und von hilfsbereiten Menschen aufgelesen und beim NABU abgegeben werden, wo sie fachkundig aufgepäppelt werden. Einige dieser Jungvögel sind derzeit in der Auswilderungsphase. Sie sind nun voll flugfähig und müssen lernen, sich in der Freiheit zurechtzufinden. Die handaufgezogenen Jungvögel sind zum Teil außergewöhnlich zahm und fliegen furchtlos auch fremde Menschen an und betteln um Futter.

Um diesen Vögeln die Chance auf ein freies Leben zu ermöglichen, bitten wir sehr darum, dass die Vögel nicht aus der Hand gefüttert oder gar eingesperrt werden. Wer den jungen Fliegern bei ihrem Start ins Leben helfen möchte, kann eine Vogeltränke und eine Sommerfütterung mit herkömmlichen Futtermischungen im Garten aufstellen und vor allem ein Auge auf Hunde und Katzen haben, die den unerfahrenen Jungtieren gefährlich werden können. 

Die Jungvögel, die durch den NABU Heppenheim ausgewildert werden, tragen einen kleinen Ring der Staatlichen Vogelschutzwarte, mit einer individuellen Nummer. Wird ein so beringter Vogel später gefunden, wenn er z.B. verunglückt ist, kann das wertvolle Hinweise über den Erfolg der Auswilderung liefern.

Da viele Menschen zunächst sehr mißtrauisch auf zahme Wildvögel reagieren, und sie für potenzielle Krankheitsüberträger halten, hat der Ring den positiven Nebeneffekt, dass bei unseren Jungvögeln der Menschenkontakt sichtbar ist. Die durch uns beringten Jüngvögel dürfen unter keinen Umständen eingesperrt werden - sie haben ein Recht auf ein freies Leben! Nach Bundesnaturschutzgesetz § 45 Abs. 5 ist es erlaubt, verletzte Wildtieren aufzunehmen, bis diese in der Lage sind, wieder selbständig zu leben. Es ist verboten, Wildtiere dauerhaft zu halten.

 

 

Haben Sie einen Jungvogel mit einem solchen Ring beobachtet oder sogar fotografiert? Wir freuen uns sehr über jede Rückmeldung zum Verbleib unserer Schützlinge an info@NABU-Heppenheim.de!

Wertvolle Informationen zum Umgang mit gefundenen Wildvögeln findet man auch auf der Seite der Wildvogelhilfe unter www.wildvogelhilfe.org

Unsere Jungvögel 2021:

Blaumeise Petri:

Vor einer besonderen Herausforderung steht die kleine Blaumeise „Petri“: beim Sturz aus dem Nest hatte sie sich ein Bein so hoffnungslos gebrochen, dass es amputiert werden musste. Es war keine leichte Entscheidung, einen solchen Eingriff überhaupt vornehmen zu lassen, da Blaumeisen wahre Kletterkünstler sind, die sich gerne an Knospen hängen, um dort nach kleinen Insekten zu suchen. Umso erfreulicher ist die Entwicklung der kleinen Meise, die den Verlust ihres Beins zum Teil mit gekonnten Flügelschlägen, aber auch mit der einer Anpassung ihrer Nahrungsaufnahme auszugleichen gelernt hat. Sie führt mittlerweile ein selbstbestimmtes Leben, ist aber, wohl auch aufgrund der intensiven Behandlung, die sie erfahren hat, sehr zahm geblieben und holt sich täglich noch ein paar Futterinsekten ab, um ihren Kalorienbedarf zu decken.

Bachstelze Stelzi:

Die kleine Bachstelze wurde in einem Reitstall in Mittershausen gefunden. Ihre Eltern haben beim Anlegen ihres Nests einen sehr guten Job gemacht, und es war einfach nicht auffindbar. Also konnte die kleine Stelze nicht zurückgesetzt werden und kam zu uns, wo sie sich schnell zu einem sehr selbstbewussten Vogel entwickelt hat. Am 26. Juni hat sie sich auf den Weg ins Leben gemacht und wurde im Verlauf der ersten Woche in den Kleingärten in Bensheim fotografiert.

Eichelhäher Jay:

Vom Sturm aus dem Nest geweht, kam der kleine Eichelhäher Jay zu uns. Ein schüchterner kleiner Kerl mit einem verstauchten Flügel. Er ist noch nicht vollständig ausgewildert und trägt derzeit auch noch keinen Ring. Sein Flügel ist aber wieder okay und die Federn werden immer vollständiger.